Eine demografiegerechte Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt die besonderen Anforderungen älter werdender Belegschaften und hilft, Beschäftigte langfristig leistungsfähig zu halten. Eine kostenlose Handlungshilfe für die Praxis unterstützt Sie dabei.
Warum das Thema an Bedeutung gewinnt
Das Durchschnittsalter der Belegschaften nimmt zu, das Renteneintrittsalter steigt. Unternehmen müssen dafür sorgen, dass Beschäftigte lange leistungsfähig bleiben. Zentrales Element der Prävention im Arbeits- und Gesundheitsschutz ist die Gefährdungsbeurteilung.
Eine der auf dem Arbeitsschutzgesetz basierenden Kernaufgaben der Arbeitgeber ist es, die Arbeitsplätze und -prozesse sowie die Unternehmenskultur so zu gestalten, dass die Arbeitskräfte ihre physischen und psychischen Ressourcen angemessen einbringen, weiterentwickeln und gegebenenfalls auch anpassen können.
Die Schlüsselrolle von Fachkräften und Betriebsärzten
Als Fachleute für Arbeitsplatz- und Prozessanalysen haben Fachkräfte für Arbeitssicherheit sowie Fachärztinnen und Fachärzte für Arbeitsmedizin bzw. Betriebsärztinnen und Betriebsärzte eine Schlüsselposition. Ihr über viele Jahre erprobtes und bewährtes Instrument ist die Gefährdungsbeurteilung als zentrales Element des betrieblichen Arbeitsschutzes und Grundlage für ein systematisches und erfolgreiches Sicherheits- und Gesundheitsmanagement.
Angesichts der demografischen Entwicklung müssen sie zukünftig aber stärker als bisher auch demografische Aspekte berücksichtigen, sowohl bei der Arbeitsplatz- und Prozessanalyse als auch bei den daraus abgeleiteten Maßnahmenvorschlägen.
Ist die Aufgabe wirklich neu?
Eigentlich ist diese Aufgabe nicht neu. Das Arbeitsschutzgesetz aus dem Jahr 1996 fordert von Beginn an, die Gefährdungsbeurteilung je nach Art der Tätigkeit vorzunehmen und dabei die physischen und psychischen Belastungen der Beschäftigten sowie ihre individuellen Fähigkeiten zu berücksichtigen.
Das Dokument „Gefährdungsbeurteilung unter Berücksichtigung alter(n)sgerechter Arbeit” zeigt die demografiespezifischen Aspekte der Gefährdungen und Belastungen am Arbeitsplatz auf und stellt mögliche Maßnahmen zu deren Bewältigung vor. Es soll damit als Diskussionsgrundlage eine Handlungshilfe für alle sein, die Gefährdungsbeurteilungen erstellen. Dazu benannten die beteiligten Fachgesellschaften Delegierte, die sich in einem Konsensverfahren auf die genannten Faktoren einigten.
Wie die Handlungshilfe entstanden ist
Auf Initiative des Verbandes für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit (VDSI) und in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) sowie dem Demografie-Experten e.V. (DEx) haben Fachleute im Arbeits- und Gesundheitsschutz in einem Konsensverfahren eine Gefährdungsbeurteilung unter Berücksichtigung alter(n)sgerechter Arbeit erstellt. Sie beschreibt mögliche demografiespezifische Maßnahmen, um alter(n)sspezifische Gefährdungen und Belastungen zu bewältigen.
Ergänzend zu den Gefährdungsfaktoren nach GDA wurde die Kategorie „Grundlegende organisatorische Faktoren des Arbeits- und Gesundheitsschutzes” eingefügt. Dazu gehören unter anderem Unterweisungen, Betriebsanweisungen sowie die Benutzung persönlicher Schutzausrüstung (PSA).
An der Erstellung mitgewirkt haben Dr. Josef Sauer (DEx), Dr. Stephan Weiler (DGAUM), Katrin Zittlau (VDSI), Klaus-Heinrich Bick (biTecS Ingenieurbüro), Waldemar Junior (Personalentwicklung & Training) sowie Thomas Leuschner (ENERVIE – Südwestfalen Energie und Wasser AG).
Praktische Umsetzung: Handlungshilfe als PDF
Die Übersicht enthält alter(n)sspezifische Gefährdungen und Belastungen und mögliche Maßnahmen und steht kostenlos zur Verfügung, unten im Bereich Downloads. Sie erleichtert die Umsetzung im eigenen Unternehmen.
Ergänzend gibt der Impulsvortrag „Demografischer Wandel in der Arbeitswelt – Gefährdungsbeurteilung Demografie” von Waldemar Junior (VDSI-Fachbereich Demografie und Beschäftigungsfähigkeit, gehalten im März 2018 in Freiburg) einen Einstieg in das Thema; auch er steht unten zum Download bereit.
Wenn Sie Unterstützung bei der Durchführung Ihrer Gefährdungsbeurteilung benötigen, stehen Ihnen Fachkräfte für Arbeitssicherheit zur Verfügung.